Tondtenga – Landwirtschaftsschule

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Die Landwirtschaftsschule mit Internat ist im Jahre 2005 in Balkouy eingeweiht worden. Die Einweihung fand großes Interesse bei der örtlichen Presse und den staatlichen Behörden, ist sie doch die allererste und bislang einzige biologisch betriebene Farm in Burkina Faso. Nach wie vor hält die Landflucht an. Gerade junge Männer aus den Dörfern hoffen auf ein Auskommen in der Hauptstadt. Leider gibt es für so viele Menschen nicht genug Arbeit und so werden die Jugendlichen leicht dauerhaft zu Straßenjungen. Dies ist allein schon wegen der Drogen ein hartes Leben, aber auch Messerkämpfe und Krankheiten führen zu frühem Tod.

Auch die Heimatdörfer trifft der Weggang der Jugendlichen hart, denn zur Erntezeit sind alle Hände nötig und langfristig sinkt der ohnehin schon geringe landwirtschaftliche Ertrag des gesamten Landes. Diesen Missstand zu bekämpfen und gleichzeitig neue Anbaumethoden zu lehren, ist das Ziel des Farmbetriebes. Dort, etwa 20 km von der Hauptstadt entfernt, werden neue tropische Feldanbaumethoden gelehrt, wird mit Biogas gekocht und abends bei Solarlicht gelernt – Tondtenga ist einzigartig und hat jährlich hunderte von Besuchern. Die ersten Gruppen von Jugendlichen, die ausgebildet wurden, sind bereits seit drei Jahren zurück in ihren Dörfern und dort wieder integriert. Sie werden weiterhin von ihren ehemaligen Lehrern betreut und – man höre und staune – kommen mit der Botschaft des biologischen Anbaus sehr gut in den Dörfern an! Dies war das Fernziel.

Tondtenga - Anbaufläche

Tondtenga – Anbaufläche

Drei Jahre lang werden Methoden zur Verbesserung des landwirtschaftlichen Ertrages sowie Viehzucht unterrichtet. Zwei weitere Jahre werden die Arbeitsgruppen in ihren Dörfern bei der Anwendung des Erlernten unterstützt. Das Ziel ist es, die Erträge des Ackerbaues langfristig zu steigern und so eine
Abwanderung der Jugend in die Städte zu vermeiden. Die Arbeitsgruppen werden unter Absprache mit den Eltern sowie den Dorfältesten in Gemeinden außerhalb der Hauptstadt rekrutiert. Zur Zeit werden intern acht Gruppen aus vier Gemeinden mit jeweils zehn Jugendlichen im Alter von 14 bis 20 Jahren unterrichtet. Weitere Jugendliche werden extern in ihren Dörfern betreut.

Auf dem sieben Hektar umfassenden Gelände der Farm befinden sich Obst- und Gemüsegärten, die Gruben für den Kompost, Stallungen für die Tiere, zu denen Schweine, Ziegen, Schafe, Kaninchen, Enten, Truthähne, Hühner sowie Rinder und Pferde gehören. Für die Jugendlichen gibt es acht Schlafhütten und einen Mehrzweckraum für den Aufenthalt. Hinzu kommen Gebäude, in denen sich die Schule und die Büros der Verwaltung befinden. Jeweils ein Gebäude dient der Unterbringung für die Erzieher, den Tierarzt, die Küche und die Familie des Wächters. Das auf der Farm benötigte Wasser wird per Dieselaggregat aus 65m Tiefe in einen Wasserturm gepumpt – noch können Solarpumpen so viel Wasser nicht fördern. Der geschickte Einsatz von verschiedenen Bewässerungssystemen ist ein wichtiger Bestandteil der Ausbildung der Jungen.

Der tägliche Schulbesuch bildet die Grundlage für das Wissen zur ökologie, Umwelt, Viehzucht, Ackerbau und Gemüseanbau. Jede Arbeitsgruppe hat eine eigene Anbaufläche zu bewirtschaften. Das schürt den Wettbewerb unter den verschiedenen Gruppen. Durch diese Arbeitsweise werden bessere Ergebnisse erzielt als mit der gemeinsamen Bewirtschaftung großer Felder. Jeder Jugendliche muss ein eigenes Beet betreuen. Das stärkt das Verantwortungsbewusstsein. Seit dieser erfolgreichen Maßnahme stehen einige Jungen vor dem ohnehin sehr frühen Sonnenaufgang auf, um ihre Beete zu pflegen.

Tondtenga - Biologischer Farmbetrieb & Internat

Tondtenga – Biologischer Farmbetrieb & Internat

Gemeinsam werden die Versuchfelder in der Regenzeit bewirtschaftet. Mais wird angebaut, Hirse und Erdnüsse. Obstplantagen werden angelegt und die Fermentierung in Kompostgruben gelernt. Kompostierung unter den klimatischen Bedingungen in Burkina Faso ist ein hohe Kunst und wichtig für biologische Anbaumethoden. Tondtenga wird von Samuel Ilboudo geleitet. Er ist Psychologe und Tierarzt. Dazu kommen Erzieher, Veterinäre, Gärtner, Lehrer und natürlich die Köchinnen, die für das Wohl der Kinder sorgen.

„Tondtenga“ heißt in der Sprache der hiesigen Mossi „Unser Land“. Dieses Land lernen die Jungbauern auf der Farm zu bestellen. So wird verhindert, dass sie zu Straßenkindern werden und sichergestellt, dass sie nach der Ausbildung als wertvolle Mitglieder voller Stolz in ihr Dorf zurückkehren können. Finanziert wird Tondtenga von der „Dr.-Elvire-Engel-Stiftung“ in Luxemburg.